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Spanien ES

Verpackungspflichten für Versender · Stand 30.08.2026 · Verlässlichkeit: hoch

Kurz gesagt:
Spanien ist für B2B-Versender das anspruchsvollste Land: Seit 01.01.2025 gilt die Herstellerverantwortung auch für Gewerbe- und Industrieverpackung (Paletten, Kartons, Folie, Umreifung). Wer verpackte Ware erstmals in Spanien in Verkehr bringt, braucht die Registrierung im RPP (ENV-Nummer), ein kollektives System (Envalora, GENCI, Ecoembes Comerciales …) und die Jahresmeldung bis 31.03. Ausländische Hersteller müssen zwingend einen representante autorizado benennen — sonst haftet der spanische Kunde subsidiär. Dazu kommt die Plastiksteuer (0,45 €/kg nicht recycelter Kunststoff, auch auf Folie und Umreifung). Sortierkennzeichnung ist nur für Haushaltsverpackung Pflicht.

Rechtsgrundlage & Behörde

Gesetz
Ley 7/2022
de 8 de abril, de residuos y suelos contaminados para una economía circular (inkl. Titel VII: Impuesto especial sobre los envases de plástico no reutilizables) + Real Decreto 1055/2022, de 27 de diciembre, de envases y residuos de envases (RAP für Haushalts-, Gewerbe- und Industrieverpackungen)
Behörde
MITECO
Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico, Dirección General de Calidad y Evaluación Ambiental (Registro de Productores de Producto); SCRAP-Zulassung durch die Autonomen Gemeinschaften; Plastiksteuer: AEAT (Agencia Tributaria)
PPWR-Umsetzung
PPWR gilt seit 12.08.2026 unmittelbar; RD 1055/2022 bleibt anwendbar. MITECO hat die RPP-Hinweise angepasst (Handelsmarken-Auftraggeber als Produzenten ab 12.08.2026; Verweis auf Art. 44 PPWR; representante autorizado nach Art. 44.3/45). Kein neues nationales Anpassungsgesetz gefunden (unsicher). SDDR-Start bis 22.11.2026 vorgesehen. Die Materialcodes nach 97/129/EG bleiben bis 2028 freiwillig nutzbar.
Sanktionen
Ley 7/2022 Art. 108–109: Nichtregistrierung im RPP, fehlende Jahresmeldung oder Inverkehrbringen ohne RAP-Erfüllung = schwere Ordnungswidrigkeit (grave): 2.001–100.000 €; sehr schwer (muy grave): 100.001–3.500.000 € plus mögliche Betriebsschließung/Tätigkeitsverbot; leicht (leve): bis 2.000 €. Bußgeld nie niedriger als der erzielte Vorteil. Plastiksteuer: Steuerstrafrecht (Ley General Tributaria), Registrierungsverstöße 1.000 € pauschal (unsicher).

Herstellerregister

Register
RPP (MITECO)
Registro de Productores de Producto (RPP) – Sección de envases (MITECO)
Wer?
Alle 'productores de producto' (Art. 15–17 RD 1055/2022): wer verpackte Produkte oder Verpackungen erstmals in Spanien in Verkehr bringt – Hersteller, Importeure, innergemeinschaftliche Erwerber, Fernabsatzhändler; ab 12.08.2026 auch Auftraggeber von Handelsmarken-Verpackungen (Art. 44 PPWR). Gilt für Haushalts-, Gewerbe- UND Industrieverpackungen (inkl. Transportverpackungen, Paletten). Nicht in Spanien niedergelassene Produzenten registrieren über einen representante autorizado (Art. 17.2).
Schwellen
Keine Bagatellgrenze für Registrierung und Jahresmeldung. SCRAPs haben Mindestbeiträge (je nach System; nicht verifiziert). Plastiksteuer: Importeure/innergemeinschaftliche Erwerber mit <= 5 kg nicht recyceltem Kunststoff pro Monat sind befreit.
Transportverpackung
ja
Nummernformat
ENV/JJJJ/XXXXXXXXX (ENV + Registrierungsjahr + 9-stellige laufende Nummer), z. B. ENV/2023/000001234

B2B- / Transportverpackung

Seit 01.01.2025 gilt die erweiterte Herstellerverantwortung (RAP) vollständig auch für Gewerbe- (envases comerciales) und Industrieverpackungen (envases industriales) – d. h. Paletten, Fässer, Kartons, Stretchfolie, Umreifung etc. Wer solche Verpackungen (mit Ware) erstmals in Spanien in Verkehr bringt, muss (1) im RPP registriert sein (ENV-Nummer), (2) die Organisation/Finanzierung der Entsorgung über ein kollektives System (SCRAP: Envalora, GENCI, Ecoembes Comerciales, AEVAE …) oder ein individuelles System (SIRAP, der Behörde mitzuteilen) sicherstellen, (3) jährlich im RPP melden (Gewicht, Einheiten, Material) und die SCRAP-/SIRAP-Mitgliedschaft nachweisen, (4) ggf. Präventions- und Ökodesignpläne (PEPE) erstellen. Bei Industrieverpackungen erlauben die SCRAPs (z. B. Envalora) Boni/Rückerstattungen, wenn der gewerbliche Kunde die Verpackungsabfälle nachweislich über zugelassene Entsorger verwertet. SCRAP-Tarife 2026 sind ökomoduliert (Material, Recyclingfähigkeit, Gefährlichkeit); konkrete €/t-Werte nur über die Rechner der SCRAPs (nicht verifiziert). Ausländische B2B-Versender ohne Niederlassung: Pflicht zum representante autorizado; ohne diesen haftet subsidiär der erste spanische Vertreiber/Händler (Art. 17.2 RD 1055/2022). Eine gesetzliche Eigenrücknahmepflicht besteht nicht; Selbsterfüllung nur über SIRAP.

Systeme / Organisationen (PRO)

Bevollmächtigter

Pflicht

Art. 17.2 RD 1055/2022: Produzenten mit Sitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat oder Drittland, die Produkte in Spanien vermarkten, MÜSSEN eine natürliche/juristische Person in Spanien als representante autorizado benennen (Registrierung im RPP durch den Vertreter, Art. 15). Fehlt er, ist der erste in Spanien ansässige Vertreiber/Händler subsidiär verantwortlich. Entfällt, wenn eine eigene spanische Tochtergesellschaft die Pflichten übernimmt. PPWR Art. 45 seit 12.08.2026 zusätzlich. Plastiksteuer: nicht niedergelassene Steuerpflichtige müssen einen Vertreter vor der AEAT benennen (Registro territorial, Kennung 'RP').

Mengenmeldung

Frequenz
jährlich (RPP) + SCRAP-Meldung; Plastiksteuer monatlich/vierteljährlich
Fristen
RPP-Jahresmeldung bis 31. März für das Vorjahr (2026: Frist für 2025-Daten bis 02.04.2026 verlängert; für 2026-Daten: 02.01.–31.03.2027). Meldung an SCRAP bis 28. Februar (Art. 17.1.j). Plastiksteuer: Modelo 592 monatlich (bei monatlicher MwSt-Periode) bzw. vierteljährlich.
Hinweise
RPP-Meldung ersetzt nicht die SCRAP-Meldung – beide sind Pflicht. SCRAP-Wechsel jeweils im 3. Quartal möglich (Envalora). Nichtmeldung ist Ordnungswidrigkeit nach Ley 7/2022.

Kennzeichnung

nationale Pflichtkennzeichnung   Grüner Punkt: freiwillig (Lizenz)

Art. 13 RD 1055/2022: Materialkennzeichnung nach Entscheidung 97/129/EG ist FREIWILLIG (bis EU-Recht anderes vorschreibt). Haushaltsverpackungen (envases domésticos) MÜSSEN seit 01.01.2025 die Fraktion/den Container angeben, in den sie zu entsorgen sind (bei Mehrmaterial: trennbar -> je Komponente, sonst dominierendes Material). Pflicht außerdem: Kennzeichnung 'wiederverwendbar' und SDDR-Symbol, wo einschlägig; Kompostierbarkeitsangabe (EN 13432) + 'no abandonar en el entorno'; SUP-Kennzeichnung nach VO 2020/2151. Verboten: 'respetuoso con el medio ambiente' o. ä. Für Gewerbe-/Industrieverpackungen (B2B) gibt es KEINE nationale Kennzeichnungspflicht (nur freiwillige Materialcodes). SCRAP-Symbole (z. B. Punto Verde von Ecoembes) sind freiwillig (Art. 13.2, 21.4). Sprache: Verbraucherinformationen auf Spanisch. Ab 12.08.2028 harmonisiertes PPWR-Label (Art. 12).

Harmonisierte PPWR-Kennzeichnung (Art. 12) frühestens ab 12.08.2028 — Transportverpackung ist davon ausgenommen (außer E-Commerce); siehe PPWR-Zeitplan.

Steuern & Abgaben

AbgabeSatzSeitAnwendungsbereich
Impuesto especial sobre los envases de plástico no reutilizables (IEPNR), Ley 7/2022 Titel VII0,45 €/kg nicht recycelter Kunststoff01.01.2023Nicht wiederverwendbare Kunststoffverpackungen aller Art (primär, sekundär, tertiär – also auch Folien, Umreifungsbänder, Schaumstoff-Polster) bei Herstellung, Import oder innergemeinschaftlichem Erwerb; recycelter Anteil (zertifiziert) befreit; Bagatell: <= 5 kg/Monat bei Import/innergemeinschaftlichem Erwerb; Selbstveranlagung Modelo 592; Registrierung im Registro territorial; nicht Niedergelassene brauchen Steuervertreter
SCRAP-Beiträge Gewerbe-/Industrieverpackungen (Envalora, GENCI, Ecoembes Comerciales …)ökomoduliert nach Material/Format; Tarife 2026 je System, konkrete €/t nicht verifiziert01.01.2025envases comerciales e industriales (B2B, Transportverpackungen)
SCRAP-Beiträge Haushaltsverpackungen (Ecoembes/Ecovidrio)nach Material, jährliche Tarife1997envases domésticos (B2C)

Pfandsystem (Getränke)

Status
geplant
Seit / ab
Pflicht zur Inbetriebnahme bis 22.11.2026 (Art. 47 RD 1055/2022, ausgelöst durch verfehltes Sammelziel 2023: 41,3 % statt 70 % bei Plastikflaschen); Umsetzung Stand Mai 2026 laut Presse noch unsicher (Zulassungen der SCRAPs, Madrid)
Umfang
Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis 3 l, Getränkedosen und Getränkekartons; Pfand mind. 0,10 €; Gastronomie bei Vor-Ort-Verzehr ausgenommen

Für Transportverpackung ohne Belang; aufgeführt der Vollständigkeit halber (Art. 50 PPWR: Pflicht ab 2029).

Quellen

  1. BOE – Real Decreto 1055/2022 (Art. 2, 13, 17, 47, DT) (abgerufen 2026-08-30)
  2. MITECO – Registro de Productores de Producto, sección envases (Fristen, ENV-Nummer, representante autorizado, PPWR) (abgerufen 2026-08-30)
  3. RETEMA – 2026: avances y retos en la RAP de envases industriales y comerciales (09.02.2026) (abgerufen 2026-08-30)
  4. Agencia Tributaria – IEPNR: Base imponible, tipo impositivo (0,45 €/kg) (abgerufen 2026-08-30)
  5. Agencia Tributaria – Registro territorial IEPNR (Vertreter für Nicht-Niedergelassene) (abgerufen 2026-08-30)
  6. ScrapWiki – Tarifas de SCRAP para envases comerciales 2026 (GENCI, Envalora, AEVAE) (abgerufen 2026-08-30)
  7. Interempresas – Envalora: endgültige Zulassung ab 01.01.2025 (abgerufen 2026-08-30)
  8. Ecoembes – Ecoembes Comerciales recibe la autorización para iniciar su actividad en 2025 (abgerufen 2026-08-30)
  9. Maldita.es – SDDR November 2026: Stand 06.05.2026 (abgerufen 2026-08-30)
  10. Ley 7/2022 Art. 108/109 – Infracciones y sanciones (abgerufen 2026-08-30)

Hinweise aus der Recherche: Spanien ist für B2B-Versender das anspruchsvollste Land der Gruppe: RAP für Industrie-/Transportverpackungen bereits seit 01.01.2025 voll in Kraft, zwingender representante autorizado für ausländische Produzenten (sonst haftet der spanische Kunde/Händler subsidiär), zusätzlich Plastiksteuer 0,45 €/kg auf Folien, Umreifung, Schaum etc. – dort ist bei Import/innergemeinschaftlichem Erwerb der spanische Erwerber Steuerschuldner, bei Direktvertrieb an Endkunden ggf. der Versender mit Steuervertreter. Bei mehreren Materialien (Karton + Kunststoff) wird nur der Kunststoffanteil besteuert.

Kein Rechtsrat — die Angaben dienen der Orientierung und sind vor verbindlichen Schritten mit der jeweiligen Registerstelle bzw. einem Fachberater abzugleichen.