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Ungarn HU

Verpackungspflichten für Versender · Stand 30.08.2026 · Verlässlichkeit: hoch

Kurz gesagt:
Ungarn hat seit 01.07.2023 ein zentrales Konzessionsmodell: Der EPR-Pflichtige registriert sich bei der Abfallbehörde, meldet vierteljährlich (bis zum 20. nach Quartalsende) alle Verpackungen nach Material und zahlt die gesetzliche EPR-Gebühr an MOHU — auch auf Transportverpackung, ohne Ermäßigung (Kunststoff ca. 0,55 €/kg). Bei B2B-Lieferungen ist in der Regel der ungarische Kunde als Erstinverkehrbringer bzw. Eigenverbraucher (Auspacken importierter Ware) pflichtig. Bevollmächtigter nur für B2C-Versand Pflicht. Keine Pflichtkennzeichnung; Pfand seit 2024.

Rechtsgrundlage & Behörde

Gesetz
80/2023.
(III. 14.) Korm. rendelet a kiterjesztett gyártói felelősségi rendszer működésének részletes szabályairól (EPR-Verordnung, seit 1.7.2023); 2012. évi CLXXXV. törvény a hulladékról (Abfallgesetz); 442/2012. Korm. rendelet (Verpackungen); Gebührensätze: 33/2025. (XI. 28.) EM rendelet; Produktgebühr: 2011. évi LXXXV. törvény (Termékdíj-Gesetz, für Verpackungen seit 1.1.2025 nicht mehr anwendbar); Pfand: 450/2023. Korm. rendelet.
Behörde
Országos Hulladékgazdálkodási Hatóság = Pest Vármegyei Kormányhivatal
Országos Környezetvédelmi, Természetvédelmi és Hulladékgazdálkodási Főosztály (nationale Abfallbehörde, Registrierung über OKIR-kapu); Konzessionär: MOHU MOL Hulladékgazdálkodási Zrt. (35-jährige Konzession)
PPWR-Umsetzung
Ungarn hat sein EPR-System bereits 2023 auf ein zentrales Konzessionsmodell (MOHU) umgestellt; PPWR gilt seit 12.08.2026 unmittelbar zusätzlich (PFAS, Konformitätserklärung, Herstellerkennzeichnung). Eine nationale PPWR-Anpassungsnovelle der EPR-Verordnung mit geändertem Herstellerbegriff oder Bevollmächtigten-Regel für B2B wurde bis Ende August 2026 nicht gefunden (unsicher); Gebührensätze für 2026 wurden per 33/2025 EM rendelet fortgeschrieben, Bußgeldregeln zum 1.4.2025 verschärft. MOHU aktualisiert seine FAQ (Stand 09.03.2026).
Sanktionen
Hulladékgazdálkodási bírság (271/2001 Korm. rendelet, EPR-Tatbestände seit 1.4.2025): Nichtmeldung/Nichtzahlung → Nachzahlung der EPR-Gebühr plus Bußgeld in Höhe von 50 % der nicht gemeldeten Gebühr (bei nicht nachweisbarer Materialzusammensetzung höchster Satz); Verletzung von Registrierungs-/Evidenz-/Meldepflichten pauschal 200.000 Ft; zuständig nationale bzw. regionale Abfallbehörde.

Herstellerregister

Register
Gyártói nyilvántartás (OKIR)
Gyártói nyilvántartás (Herstellerregister) bei der nationalen Abfallbehörde über OKIR-kapu (KÜJ-Kennung) + Registrierung im MOHU Partner Portál (EPR-Registrierung, gyártói azonosító)
Wer?
„Gyártó“ nach § 2 der EPR-Verordnung: Hersteller des Kreislaufprodukts, erster inländischer Inverkehrbringer (auch Importeur/innergemeinschaftlicher Erwerber), Eigenverbraucher (saját célú felhasználó) – dazu zählt ausdrücklich das endgültige Trennen im Ausland hergestellter Verpackung vom Produkt (§ 17), also der ungarische B2B-Empfänger, der importierte Ware auspackt – sowie ausländische Fernabsatzhändler an ungarische Haushalte. Beide Registrierungen (Behörde + MOHU) sind vor Tätigkeitsbeginn bzw. spätestens vor der ersten Datenmeldung Pflicht. Verkaufs- und Transportverpackungen sind eingeschlossen und getrennt zu erfassen (eigene KF-Codes).
Schwellen
Keine Mengenschwelle. Pauschalregelungen nur für Weinerzeuger (Glas) und Kleinerzeuger/Landwirte.
Transportverpackung
ja
Nummernformat
KÜJ (Környezetvédelmi Ügyfél Jel, 9-stellig) als Behördenkennung; MOHU-Partner-/Gyártói-ID (Format unsicher); Nachweis der EPR-Zahlung mit Pflichttext auf Rechnungen

B2B- / Transportverpackung

Ungarn hat seit 1.7.2023 ein zentralisiertes Konzessionsmodell ohne Wahl des Systems: Der EPR-Pflichtige meldet vierteljährlich alle Verpackungen (Verkaufs-, Sammel- und Transportverpackung, jeweils nach Material mit KF-Code) an die Behörde und zahlt die gesetzlich festgelegte EPR-Gebühr an MOHU; Selbsterfüllung ist nicht vorgesehen (einzelne Erfüllung „egyéni teljesítés“ nur für bestimmte Ströme). Transportverpackungen für Lieferungen nach Ungarn gelten als in Verkehr gebracht und sind gebührenpflichtig; Mehrwegverpackungen (Paletten) sind bei nachgewiesener Wiederverwendung begünstigt/erfasst nach Stückzahl. Wichtig für B2B: Liefert ein ausländischer Hersteller ohne HU-Sitz an einen ungarischen Geschäftskunden, ist nach nationaler Regel der ungarische Erstinverkehrbringer/Eigenverbraucher (Auspacken = Eigenverbrauch) EPR-pflichtig – nicht der deutsche Lieferant; ab 12.08.2026 kann der PPWR-Herstellerbegriff das verschieben (unsicher, keine nationale Anpassung gefunden). Bei Weiterexport innerhalb 365 Tagen mit Nachweis entfällt die Gebühr.

Systeme / Organisationen (PRO)

Bevollmächtigter

bedingt (je nach Konstellation)

Ausländische Unternehmen, die direkt an ungarische Verbraucher (E-Commerce) liefern, müssen einen ungarischen „meghatalmazott képviselő“ benennen, der Registrierung, Meldung und Zahlung übernimmt (Vollmacht handschriftlich mit Firmenstempel, Registrierung auch ohne HU-USt-ID möglich). Für B2B-Lieferungen ist nach nationalem Recht der ungarische Erwerber verpflichtet, ein Bevollmächtigter des Lieferanten nicht erforderlich. Ab 12.08.2026 PPWR Art. 45(3) für nicht in HU niedergelassene Hersteller.

Mengenmeldung

Frequenz
vierteljährlich
Fristen
Datenmeldung an die nationale Abfallbehörde über OKIR-kapu bis zum 20. Tag nach Quartalsende (20.04., 20.07., 20.10., 20.01.); MOHU stellt danach die Rechnung, Zahlung binnen 15 Tagen; Registrierung bei Bestandsfirmen ursprünglich bis 31.05.2023
Hinweise
Nachweise (Evidenz nach KF-Code, getrennt Produkt- und Transportverpackung) 5 Jahre aufbewahren; Rechnungen an Kunden müssen einen Hinweis auf die EPR-Gebührenzahlung tragen; ohne Behördenregistrierung stellt MOHU keine Rechnung aus (Registrierung im Partnerportal allein genügt nicht).

Kennzeichnung

keine nationale Pflichtkennzeichnung   Grüner Punkt: nicht erforderlich

Materialkennzeichnung nach 442/2012 Korm. rendelet freiwillig (nach 97/129/EG, wenn verwendet); Grüner Punkt in Ungarn nicht erforderlich, keine nationale Lizenz nötig (unsicher). Pflicht: Pfandkennzeichnung (visszaváltási díj-Logo) auf Getränkeverpackungen im Pfandsystem, SUP-Kennzeichnung; Rechnungsvermerk zur EPR-Gebühr. Ab 12.08.2026 PPWR-Herstellerangabe.

Harmonisierte PPWR-Kennzeichnung (Art. 12) frühestens ab 12.08.2028 — Transportverpackung ist davon ausgenommen (außer E-Commerce); siehe PPWR-Zeitplan.

Steuern & Abgaben

AbgabeSatzSeitAnwendungsbereich
Kiterjesztett gyártói felelősségi díj (EPR-Gebühr an MOHU)2026 (33/2025 EM rendelet, unverändert seit 1.10.2025): Papier/Karton 173 Ft/kg, Kunststoff 219, Glas 107, Aluminium 186, sonstiges Metall 186, Holz 22, Verbund 191, Textil 148, sonstige 129 Ft/kg (Verpackungen)2023-07-01 (Erhöhung 2025-10-01)alle Verpackungen inkl. Transportverpackungen, Eigenverbrauch
Környezetvédelmi termékdíj (Umweltproduktgebühr)für Verpackungen seit 1.1.2025 entfallen (Ströme unter EPR aus dem Termékdíj-Gesetz herausgenommen); verbleibend u. a. für Kunststofftragetaschen (unsicher)1995 / Änderung 2025-01-01nur noch Produkte außerhalb des EPR-Systems
MOHU-Registrierungsgebühreinmalige Einschreibegebühr bei MOHU (Betrag unsicher)2023alle EPR-Pflichtigen
Pfand (visszaváltási díj)50 HUF je Getränkeverpackung2024-01-01Einweg-Getränkeverpackungen 0,1–3 l

Pfandsystem (Getränke)

Status
in Betrieb
Seit / ab
1. Januar 2024
Umfang
Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff, Metall und Glas 0,1–3 l (ohne Milchprodukte), Pfand 50 HUF, Betreiber MOHU; Ziel 90 % Rücklauf; Hersteller/Importeure von Getränken müssen sich bei MOHU registrieren und Verpackungen kennzeichnen. Nicht relevant für Industrieverpackungen.

Für Transportverpackung ohne Belang; aufgeführt der Vollständigkeit halber (Art. 50 PPWR: Pflicht ab 2029).

Quellen

  1. MOHU – Gyakran ismételt kérdések (EPR-FAQ, Stand 09.03.2026) (abgerufen 2026-08-30)
  2. Pest Vármegyei Kormányhivatal – Általános tájékoztató a 80/2023. Korm. rendelet szerinti nyilvántartásba vételi kötelezettség teljesítéséhez (abgerufen 2026-08-30)
  3. Transpack – Közzétették a 2026. évi EPR-díjakat (33/2025 EM rendelet) (abgerufen 2026-08-30)
  4. LeitnerLeitner – Increasing EPR fees and penalties (abgerufen 2026-08-30)
  5. NAK – EPR bírságtételek 2025. április 1-jétől (abgerufen 2026-08-30)
  6. eprhungary.com – EPR Registration & Reporting in Hungary (2026) (abgerufen 2026-08-30)
  7. Transpack – Bérgyártás, bércsomagoltatás után ki az EPR-kötelezett? (abgerufen 2026-08-30)
  8. Packaging Europe – Hungary launches deposit return system (abgerufen 2026-08-30)
  9. Nemzeti Jogszabálytár – 80/2023. (III. 14.) Korm. rendelet (EPR-Verordnung) (abgerufen 2026-08-30)
  10. Nemzeti Jogszabálytár – 271/2001. (XII. 21.) Korm. rendelet (hulladékgazdálkodási bírság) (abgerufen 2026-08-30)

Hinweise aus der Recherche: Ungarn ist das teuerste der sechs Länder pro kg (z. B. Kunststoff 219 Ft/kg ≈ 0,55 EUR/kg, Papier 173 Ft/kg) und erhebt die Gebühr auch auf Transportverpackungen ohne Ermäßigung. Für deutsche B2B-Lieferanten ist in der Regel der ungarische Kunde als Erstinverkehrbringer/Eigenverbraucher (Auspacken importierter Ware) EPR-pflichtig – Kunden fragen deshalb häufig nach Verpackungsgewichten je Material. Doppelte Registrierung (Behörde via OKIR + MOHU-Portal) beachten.

Kein Rechtsrat — die Angaben dienen der Orientierung und sind vor verbindlichen Schritten mit der jeweiligen Registerstelle bzw. einem Fachberater abzugleichen.